10 Dinge, die du bisher nicht über Rentiere wusstest

Alle Jahre wieder saust der Weihnachtsmann auf seinem Rentier-Schlitten, vollbepackt mit allen Geschenken, vom Nordpol aus um die Welt. Dieses Bild ist allen wahrscheinlich bekannt. Doch was genau wissen wir eigentlich über die treuen Rentiere vor dem Schlitten? Wie heißen sie, wo wohnen sie den Rest des Jahres, sind es eigentlich Rentier-Männchen oder Weibchen, die da den Schlitten um die Welt fliegen und werden sie auch anständig bezahlt? Wir wollten mehr über die weihnachtlichen Schlittenzieher herausfinden und haben uns deshalb (virtuell) auf Recherche an den eisigen Nordpol begeben. Zurückgekommen sind wir mit 10 erstaunlichen Rentier-Fakten.

1. Rentier ist kein Rentier ist kein Rentier

Das Rentier, auch Ren oder Karibu genannt (wiss. rangifer tarandus) gehört zur Familie der Hirsche, zur Unterordnung der Wiederkäuer und zur Ordnung der Paarhufer. Diese Rentiere ziehen auch traditionell den Schlitten des Weihnachtsmannes. Sie sollten aber nicht mit zwei anderen, weeeeit entfernten, Artgenossen verwechselt werden, dem Rentier und dem Rentier. Diese beiden haben nämlich weder etwas mit Weihnachten noch mit dem Nordpol zu tun. Ein Rentier (frz.) kann nämlich auch eine Person sein, die von Zinseinnahmen und Landverpachtungen lebt und ein Rentier galt in Deutschland auch lange Zeit als jemand, der seine monatlichen Bezüge größtenteils aus der Rentenversicherung erhielt. Wir können nicht mit 100%iger Wahrscheinlichkeit ausschließen, dass die Nordpol-Rentiere nicht auch Land verpachten oder Renteneinnahmen beziehen. Doch es gilt als sicher, dass weder ein Pacht-Rentier noch ein Rentner-Rentier den Schlitten des Weihnachtsmannes anziehen.

2. Rentiere können (fast) fliegen

Gut, „fast” ist mathematisch gesehen auf einem Kontinuum zu sehen, auf dem „fast“ wohl eher bei „fast nicht“ liegt. Zugegeben, Rentiere können nicht wirklich fliegen, sie sind aber verdammt schnell. Sie sind besonders schnelle und vor allem ausdauernde Läufer. Auf Wanderschaft legen sie bis zu 5000 Kilometer zurück, mehr als jedes andere Säugetier. Rentier-Babys können bereits eine Stunde nach der Geburt laufen und ausgewachsene Tiere erreichen eine Spitzengeschwindigkeit von bis zu 80 km/h. Wenn Rentiere durch den Schnee stapfen, spreizen sie dabei ihre Klauen weit auseinander. Dadurch verhindern sie, dass sie in den Schnee einsinken. Auch wenn Rentiere also nicht wirklich fliegen können, der Weihnachtsmann hat sich für den tiefen Schnee die wahrscheinlich besten Schlittenzieher ausgesucht.

3. Rentiere sehen was, was du nicht siehst

Neben ihrer Schnelligkeit und Agilität, haben Rentiere auch ganz besondere Augen. Sie sind die einzigen Säugetiere, die ultraviolettes Licht sehen können. Während UV-Licht die Augen der meisten Säugetiere beschädigen würde, hilft es den Rentieren dabei in der Schneelandschaft überlebenswichtige Details wie Futter oder Feinde besonders leicht zu erkennen.

4. Die Rentiere haben nicht immer am Nordpol gelebt

Rentiere leben in Ländern, die um den Nordpol herumliegen. Ihr natürlicher Lebensraum ist in der Tundra und im Wald. Doch das war nicht immer so. Bevor Menschen den Lebensraum von Renteiren vereinnahmten und Rentiere sich zu ihrem eigenen Schutz immer weiter in den Norden zurückziehen mussten, reichte ihr Gebiet sogar bis nach Spanien hinein. Hier wurden angeblich auch Höhlenzeichnungen von fliegenden Rentieren gefunden. Rentiere, ja! Fliegend … zu viel Sangria?

5. Die Rentiere und der Weihnachtsmann fanden erst im 19. Jahrhundert zueinander

Die Idee, dass Rentiere den Schlitten des Weihnachtsmannes anziehen stamt aus einem Gedicht von Clement C. Moore, „A Visit from St. Nicholas“ aus dem Jahr 1823. Hier landet der heilige Nikolaus nach niederländischer Tradition am Vorweihnachtsabend mit seinem Schlitten, der von acht winzigen Rentieren angezogen wird: Dasher, Dancer, Prancer, Vixen, Comet, Cupid, Dunder und Blixem (später geändert zu Donner und Blitzen). Dasher steht für Geschwindigkeit, Dancer und Prancer für Eleganz, Vixen ist ein weiblicher Fuchs (stellvertretend für Schnelligkeit und Schläue), Comet ist ein Komet, also ein Feuerball, der mit Lichtgeschwindigkeit durch die Galaxie flitzt, Cupid hat ebenfalls Flügel und Donner und Blitzen repräsentieren Naturgewalten. Es ist nicht ganz klar, was ein Fuchs, ein Liebesbote, ein Sturm, ein Komet sowie zwei Tänzer mit Weihnachten zu tun haben, aber solange sie den Weihnachtsmann heile mit all den Geschenken zu uns führen, ist das ja eigentlich auch egal.

6. Rudolph, das rotnasige Rentier, ist traditionell nicht Teil der Rentier-Garde

Auch wenn Rudolph the red-nosed reindeer nicht im ursprünglichen Gedicht von Clement C. Moore erwähnt wird, ist er heute das wohl bekannteste aller Rentiere. Einige spannen sogar das Außenseiter-Rentier noch nachträglich mit vor den Schlitten. Doch Rudolph wurde erst im Jahr 1939 vom amerikanischen Autor Robert L. May erfunden, und zwar – ganz unromantisch – zu kommerziellen Zwecken. Das Kaufhaus Montgomary Ward aus Chicago hatte May darum gebeten, eine Weihnachtsgeschichte für Kinder zu erfinden, die dann während der Adventszeit an Kinder im Kaufhaus verteilt wurde.

7. Die Weihnachtsmann-Rentiere gehören höchstwahrscheinlich zur Unterart des Platyrhynchus

Das Gedicht von Clement C. Moore spricht ausdrücklich von acht winzigen Rentieren. Angesichts der Tatsache, dass Rentiere bis zu 2 Meter lang und 1.50 Meter breit werden können, muss sich „winzig“ wohl in diesem Zusammenhang auf das Platyrhynchus Rentier, auch Spitzbergen-Rentier genannt, beziehen. Warum sich der Weihnachtsmann die kleinste und dickste Art aller Rentiere ausgesucht hat und dann mit all diesen mächtigen Namen versehen hat, konnten wir bisher noch nicht abschließend klären. Zwei Erklärungen bieten sich an: Der Weihnachtsmann ist ein Fitness-Fanatiker und will die Spitzbergen-Rentiere zu Spitzensportlern machen oder er hat einfach ein Herz für Außenseiter (s. Fakt 6).

8. Keiner kennt das Geschlecht der Rentiere des Weihnachtsmannes

Rentiere werfen ihr Geweih, ja nach Geschlecht, zu unterschiedlichen Jahreszeiten ab: die Hirsche im Winter, die Renkühe im Sommer. Da die Rentiere des Weihnachtsmannes aber immer mit einem Geweih dargestellt werden, sind es entweder junge Hirsche, die ihr Geweih noch nie verloren haben (und die dann jedes Jahre ausgetauscht werden, da ältere Renhirsche im Winter kein Geweih haben) oder durchweg Renkühe. Eine Mischung aus jungen männlichen und einigen weiblichen Rentieren ist natürlich auch denkbar. Unsere Vermutung: Der Weihnachtsmann hat seine Rentier-Garde bunt gemischt, da er damit ein Zeichen für Gleichberechtigung setzen möchte. Wobei wir es trotzdem problematisch finden, wenn Rentiere, die ins Alter kommen, einfach aussortiert werden. Aber vielleicht kommt da dann ja die Rentier-Rente ins Spiel (s. Fakt Nr. 1) …

9. Ein Rentier kommt niemals allein

Rentiere sind Herdentiere. Eine kleine Gruppe wie die 8 Rentiere, die für den Weihnachtsmann arbeiten, ist in der freien Wildbahn selten. Sie leben meistens in Gruppen zwischen 20 und 100 Tieren. Wenn Waldrentiere sich jahreszeitenbedingt auf Wanderschaft begeben, ziehen sie dabei in Gruppen von bis zu 100.000 Rentieren durch die Lande. In Alaska wurden angeblich Gruppen von 500.000 Rentieren gesichtet. Holla, die Wald(rentier)fee!

10. Rentiere haben ihr eigenes Magazin

Rangifer ist das weltweit einzige Fachmagazin über Rentiere. Es wird seit 1981 vom Nordic Council for Reindeer Husbandry Research herausgebracht, seit 2008 nur noch als Online-Magazin. Wer das wohl liest? Na, der Weihnachtsmann und seine Rentiere natürlich!

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Bild: flickr//Sören Schaper//CC BY-ND 2.0

Post vom Müssiggang Magazin

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Marinela Potor

Marinela hat nach ihrem Radio-Volontariat an der Nordsee ihren Rucksack gepackt, um 6 Monate lang durch Südamerika zu reisen. Daraus sind mittlerweile fast 6 Jahre geworden. Den Rucksack hat sie behalten, genauso wie ihre Begeisterung für neue Menschen und Orte - und die Leidenschaft, darüber zu berichten. Sie ist aber immer noch auf der Suche nach einem festen Wohnsitz und reist, bis sie den perfekten Ort mit Strand, Bergen, Sonne und gutem Kaffee findet (Vorschläge werden gerne entgegen genommen), als digitale Nomadin durch die Welt. Selbstbeschreibung in 3 Worten: energiegeladen, meinungsgeladen, käsesüchtig. Fremdbeschreibung in 3 Worten: quietischig, politisch inkorrekt und eine von diesen komischen Europäerinnen, die kein Fleisch mögen.
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