7 goldene Regeln, um deine Fernbeziehung zu überstehen

Die Fernbeziehung ist das Produkt aus Selbstverwirklichung und Liebe. Und damit symptomatisch für den Lebensstil unserer Generation. Der Trend zur Liebe auf Distanz hat sich verstetigt. Immer mehr junge Menschen führen eine Fernbeziehung und kaum jemand ist glücklich damit. Wer aber diese 7 goldenen Regeln beachtet, hat gute Chancen, die Fernbeziehung zu überstehen.

1. Telefoniere statt zu texten

Wer musste noch nicht eine missverständliche Message zurechtrücken? Wer musste sich noch nicht anhören „Warum hast du nicht geantwortet?“ Und wer hat nicht schon fünfmal den Dreizeiler verändert, bevor man endlich auf Senden drückt? Kostenlose Nachrichten haben den Botschaften nicht nur den Preis, sondern auch den Wert genommen. Was sagt eines der inflationär gebrauchten Emoji-Herzen noch aus? Abgesehen von dem ganzen Stress, den die Kurznachrichten bei uns auslösen. Umso wichtiger ist das Gespräch. Wenn schon nicht persönlich, dann wenigstens per Telefon, Whatsapp-Call, Facebook Call, Facetime Audio – mittlerweile weiß man ja gar nicht mehr, welche App grad klingelt. Auf jeden Fall ist das gesprochene Wort für jede Fernbeziehung extrem wichtig. Das geht nicht in der Vorlesung, in der Bahn oder im Wartezimmer – nein, wir müssen uns dafür tatsächlich Zeit nehmen. Dann können wir hören, wie es unserem Gegenüber geht, können erkennen, wann wir zögern, seufzen, lachen, weinen. Und schweigen. Wenn Text, dann bitte einBrief.

2. Unterstelle eine gute Absicht und sei geduldig

Fernbeziehungen sind fragiler als normale Beziehungen. Wir können uns nicht in den Arm nehmen, nichts ohne Worte sagen und vor allem nichts schnell klarstellen, was zuvor zu einem Missverständnis geführt hat. Oft sind wir auch schlicht nicht nah genug an der anderen Person dran, haben nicht mitgekriegt, wie unruhig sie geschlafen hat, wie das Fahrrad einen Platten hatte oder die Milch im Morgenkaffee sauer war. Diese kleinen Mosaiksteinchen des Alltags fehlen uns dann, um unsere bessere Hälfte kurzfristig zu verstehen. Die Gründe für das seltsame, verletzende oder enttäuschende Verhalten des anderen mögen vielfältig sein – sehr wahrscheinlich sind sie uns aber zunächst verborgen. Dann braucht es Zeit, Gespräche und vielleicht auch Nähe, um rauszufinden, was im argen liegt. In der Zwischenzeit hilft es, eine gute Absicht und nachvollziehbare Gründe zu unterstellen und dies mit Geduld zu prüfen. Es geht nicht darum, blauäugig und unkritisch zu sein – besonders in Fernbeziehungen hilft es aber, zunächst kein Öl ins Feuer zu gießen.

3. Definiere gemeinsame Ziele und Perspektiven

Fernbeziehungen sind typisch für unsere Generation. Sie sind Ausdruck des Versuchs, das Streben nach Selbsterfüllung mit dem Bedürfnis nach Zuneigung und Liebe in Einklang zu bringen. Das kann eine gewisse Zeit sehr gut klappen, doch viele Fernbeziehung zerbrechen an der fehlenden Perspektive. Wenn die individuellen Ziele die Partner zu sehr auseinander ziehen, wird die gemeinsame Zukunft schwierig. Der logische, aber umso schwierigere Ausweg aus dem Schlamassel sind gemeinsame Ziele. Nur wer irgendwann den Hebel umlegen kann und vom ich-mach-meins-und-du-machst-deins zu wir-machen-unseres kommt, der hat tatsächlich langfristig Chancen zusammen zu bleiben. In kaum einer Beziehung ist von Anfang an klar, wer wem hinterherzieht oder wer für die Famileplanung auf den nächsten Karriereschritt verzichtet. Sich solchen grundsätzlichen Fragen zu stellen, eine Balance auszuhandeln und dann mit gemeinsamen Zielen für beide eine Perspektive zu schaffen, lässt uns manch einsame Stunde überstehen.

4. Sei Selbstständig

„Ich kann nicht ohne dich“ mag sich ja in manchen Ohren sehr romantisch anhören, ist aber denkbar schlecht für jede Fernbeziehung. In diesem Fall muss man nämlich auch alleine können, klar kommen, selbständig sein. Natürlich ist vieles gemeinsam einfacher, aber es liegt in der Natur der Fernbeziehung, dass jeder Teil – zumindest temporär – auch ohne den anderen zurechtkommen muss. Ist dem nicht so, gerät die Beziehung in Schieflage und kentert irgendwann.

5. Erleben intensive, gemeinsame Zeit – überfrachte sie aber nicht

Knappheit steigert den Wert. Das ist nicht nur bei Benzin der Fall, sondern auch bei der gemeinsamen Zeit so. Und die ist in einer Fernbeziehung bekanntlich besonders knapp. Genau deshalb sind die Wochenenden oder der gemeinsame Urlaub so wertvoll und sollten entsprechend zelebriert werden. Doch auch hier lauert Gefahr: Wir können nicht alles, was wir unter der Woche und zwischen den Treffen nicht zusammen erlebt haben, nachholen. Manchmal müssen wir uns erst wieder an einander gewöhnen. Deshalb gilt es, die richtige Balance zwischen Programm und Entspannung zu finden. Wer seine knappe Zeit mit langen To-Do-Listen und übergroßen Erwartungen überfrachtet, der hat kein schönes Wochenende zu zweit. Den ganzen Tag im Bett zu verchillen und nur aufzustehen, wenn der Pizzabote klingelt, müssen wir uns auch in der Fernbeziehung gönnen.

6. Vertraue und verzeihe

Wo ist es leichter und die Verführung größer fremd zu gehen als in einer Fernbeziehung? Und trotzdem: niemand sollte in einen zermürbenden Kontrollwahn verfallen. Einfach, weil es nicht geht. Wie soll man sich auch über die Distanz kontrollieren? Kontrolle wird in dem Moment überflüssig, in dem wir vertrauen. Das gilt natürlich nicht nur für Fernbeziehungen. Und das ist auch keine Einladung für Seitensprünge, sondern funktioniert nur in Kombination mit Ehrlichkeit und Verzeihen. Falls es doch mal schiefgeht: Die einzige Chance nach dem Fremdgehen die Beziehung noch zu retten, ist die Beichte (hier ist nicht der Pfarrer sondern der Partner oder die Partnerin gemeint; Anm. d. Red.). Der Gang nach Canossa schafft die Grundlage, dass der oder die Betrogene überhaupt verzeihen kann. Am besten ist es aber, wenn wir es bei Vertrauen belassen und den kurzfristigen Verlockungen widerstehen.

7. Wähle den richtigen Partner

Keine Angst – was jetzt folgt, ist fern von jeder Kalenderspruchromantik, sondern die naheliegende Feststellung, dass Regeln 1 bis 6 nur funktionieren, wenn sie oder er grundsätzlich die oder der Richtige ist. Während sich manche normalen Paare durch den Kitt der Gewohnheit noch Jahre durchwursteln und erst an neuralgischen Punkten wie der Kinderplanung, dem Karrierestreben oder der „Scheiße-jetzt-bin-ich-30-und-möchte-mich-doch-nochmal-umschauen-Panik“ zerbrechen, kämpfen Fernbeziehung permanent gegen die Widrigkeiten der Distanz. Wer das durchsteht, hat sich und seiner Beziehung die beste Zukunftsprognose ausgestellt. Dann passt es. Auch in Zukunft. Auch in der Nähe.

Halt, noch nicht weiterlesen – wir brauchen deine Unterstützung

Du willst weiterhin richtig gute Artikel im Müßiggang Magazin lesen? Dann unterstütze jetzt unsere Crowdfunding-Kampagne. Wir bauen auf deine Unterstützung, um das Müßiggang Magazin noch besser zu machen. Hier kannst du uns unterstützen und dir dein Dankeschön aussuchen.

Track zum Text:

 

Post vom Müssiggang Magazin

Melde Dich jetzt für unseren Newsletter an

Dominik Kaufmann
Folge mir

Dominik Kaufmann

Dominik hat schon in Frankreich, Dubai, Japan und Baden-Württemberg gelebt. Weil er immer mittendrin statt nur dabei ist, schafft das Schreiben immer wieder Platz für wichtige statt dringende Gedanken. Deshalb liebt er das Müßiggang Magazin wie die Stuttgarter ihre Kehrwoche.
Dominik Kaufmann
Folge mir