8 wirklich gute Bücher für deinen Sommerurlaub

Bei 34 Grad am Strand von wahlweise Mallorca, Martinique oder der Mecklenburgischen Seenplatte packt es viele, die es sonst nahezu nie packt: das Lesefieber. Zu einem guten Urlaub gehört bei vielen Menschen auch ein gutes Buch. Und darum hastet man dann zwei Tage vor Abfahrt nicht nur schnell noch zu DM oder Rossmann (früher hätte man sogar noch zu Schlecker gehen können), wo man Sonnenmilch mit möglichst hohem Sonnenschutzfaktor kauft, um jede Schuld für spätere Hautschäden auf die Kosmetikindustrie schieben zu können, sondern auch noch zu Thalia, in die Mayersche oder in so eine kleine, niedliche Independent-Buchhandlung,

Da schaut der geneigte Urlaubsleser auf die Spiegel-Bestsellerliste und entdeckt den neuen Ken Follet oder mal wieder was von Daniel Kehlmann. Doch Obacht: Die Wörter „Spiegel“ und „Bestsellerliste“ in einem Satz sollten uns bei der Lektüreauswahl aufschrecken lassen. Wir haben deshalb keine Mühen gescheut und pünktlich zur Urlaubssaison in unserer Müßiggang Magazin Non-Bestsellerliste 8 Bücher zusammengestellt, die in keiner Ferienbibliothek fehlen sollten, auch wenn sie auf jeder Bestsellerliste fehlen.

1. Jack Kerouac – On the Road

In nur 3 Wochen schuf Jack Kerouac sein Meisterwerk „On the Road“. Über Jahrzehnte war die Urfassung des Buches, das das Lebensgefühl der Beat-Generation voller Party, Drogen, Freiheit und Liebe aufgreift wie kaum ein anderes, verschollen. 2010 veröffentlichte der Rowohlt-Verlag das vormals zensierte Originalwerk in seinem vollen Umfang. Der Roman ist ein grandioser Roadtrip, eine haltlose Suche nach Glück und dem richtigen Leben, und macht große Lust, einfach loszufahren.

2. James A. Michener – Die Kinder von Torremolinos

Torremolinos liegt an der Südspitze Spaniens bei Malaga und war Ende der 1960er Jahre der Tummelpunkt von Hippies, Sinnsuchern und Abenteurern aus der ganzen Welt. Michener erzählt die Geschichte von sechs jungen Menschen, die sich auf der Suche nach Sinn und Zerstreuung aus ihren konventionellen Fesseln lösen und im exzessgetränkten Taumel von Torremolinos ein Paradies finden. Doch wie so oft geht gewonnene Freiheit mit Angst und Gefahr einher. 

3. Joseph Roth – Reisen in die Ukraine und nach Russland

Das spannungsreiche Verhältnis in den Post-Sowjetstaaten ist uns spätestens seit Beginn der Krise in der Ukraine auf dramatische Weise ins Bewusstsein gerückt. Joseph Roth portraitiert in seinen Essays und Reportagen aus dem heutigen Russland und der heutigen Ukraine gesellschaftliche Realitäten aus den 1920er Jahren –  dieser Tage mehr denn je relevant.

4. T.C. Boyle – Wassermusik

Ja, Wassermusik ist der Erstling von T.C. Boyle, und ja, es ist ein grandioses Werk. In Wassermusik montiert er die historsisch weitgehend belegte Geschichte des schottischen Afrikaforschers Mungo Park in die künstlerisch überhöhte Absurdität des ausgehenden 18. Jahrhunderts. Ein großer Abenteuerroman voller Wissen, Verwegenheit und Kuriositäten – unbedingt lesen!

5. Ann Cotten – Der schaudernde Fächer

Grandios. Einfach grandios. Wenn man eines kritisch anmerken darf, dann folgendes: Liebe Ann Cotten, wir beneiden dich um dein Talent, deine Sprachgewalt und den gewaltig-rastlosen (Un-)Sinn, den du damit zu Papier bringst.

6. Arno Schmidt – Tina oder über die Unsterblichkeit

In Arno Schmidts Erzählung Tina oder über die Unsterblichkeit geht es um die Unterwelt von Darmstadt. Kommt dem ein oder anderen sicher bekannt vor. Doch verhält es sich gänzlich anders. Arno Schmidts skizziert ein absurdes Darmstädter Elysium und stellt die Frage nach Ruhm und Vergessen in den Mittelpunkt seiner Erzählung. Er invertiert unsere Sehnsucht nach Ewigkeit und entwirft eine Unterwelt der Dichter und Denker, die sich nichts sehnlicher wünscht als vergessen zu werden, um der Grässlichkeit der Unsterblichkeit ein für alle mal zu entkommen – lesenswert!

7. Friedrich von Borries – RLF

Von Borries nimmt in seinem Roman Bezug auf das Adorno Zitat, nach dem es kein richtiges Leben im Falschen (RLF) gebe. Kunstvoll montiert er eine Kapitalismuskritik, die den Kapitalismus mit seinen eigenen Mitteln bekämpft. Immer wieder lässt er den Leser dabei im Unklaren und changiert zwischen Dokumentation und Roman, wenn er den Protagonisten, einen erfolgreichen Werber, immer tiefer in eine aufkeimende Revolution eintauchen lässt.

8. Heinrich Böll – Ansichten eines Clowns

Es ist nicht nur unglaublich unterhaltsam und manchmal auch ein wenig traurig, Hans Schnier in seinem Aufbegehren gegen den Katholizismus zuzusehen, nein, es ist auch unglaublich bildend und bereichernd die junge Bundesrepublik, wie sie Böll in „Ansichten eines Clowns“ abbildet, in ihrem Konflikt mit der katholischen Kirche zu erleben. Ist Böll damit ein Advokat des Säkularismus? Nein, nicht unbedingt, aber er ist ein genialer Erzähler von dem Spannungsverhältnis zwischen Individuum und vereinnahmender Religion.

 

Bild: Rory MacLeod über CC BY 2.0

 

Unser Track zum Text:

Post vom Müssiggang Magazin

Melde Dich jetzt für unseren Newsletter an

Nils Langhans

Nils Langhans

Nils leidet darunter, einen Vornamen mit nur einer Silbe zu haben, der gerade in lauter Umgebung nicht immer direkt von anderen Menschen verstanden wird. Ansonsten ist er zu begeistern von virtuoser Sprache, experimentellen Gedankenspielen und ausgeprägter Beobachtungsgabe. Heimlich träumt er vermutlich dennoch von einem Reihenhaus in der Stuttgarter Vorstadt mit Blick auf den Killesberg und einem geregelten Arbeitstag in so einem heimelig-familiären mittelständischen Unternehmen auf der Schwäbischen Alb, das Schrauben oder Radmuttern oder etwas anderes total Sinnvolles herstellt, aber ihm fehlt die Verwegenheit, sich diesem seinem Innersten zu stellen. Darum versauert er hier beim Müßiggang Magazin.
Nils Langhans