9 wirklich gute Filme für den Herbst

Na, bist du mal wieder mit einer Tafel Milka bei Bridget Jones eingeschlafen? Hast du dir schmachtend den letzten Kassenschlager von Elyas M’Barek angeschaut? Oder immer noch Honig im Kopf von all den Til-Schweiger-Filmen? Das muss doch nicht sein. Es gibt neben all dem Schund, den wir uns so gerne ansehen, um ein wenig abgelenkt nicht über unser tristes Dasein nachgrübeln zu müssen, auch eine Menge guter Filme. Darum empfehlen wir euch neun wirklich gute Filme, die man bedenkenlos an einem kalten Sonntagnachmittag schauen kann.

1. Rossini

Das Meisterwerk von Helmut Dietl – wer Kir Royal oder Schtonk mag, der wird Rossini lieben. Eine bitterböse, charmante Satire über die Münchner Schickeria Ende der 90er Jahre mit dem besten, was die deutsche Schauspielerei zu bieten hat. Götz George, Jan Joseph Liefers, Heiner Lauterbach und Co. brillieren an der Grenze zwischen Komödie und Tragödie in dieser sehr schön anzuschauenden Inszenierung von Dietl.

2. Brügge sehen und sterben

Zwei Auftragskiller im Wartestand – nachdem Ken und Ray einen Job vermasselt haben, werden sie von ihrem Boss nach Brügge geschickt, um sich einige Tage zu erholen. Ray stürzt sich gelangweilt von dem musealen Brügge in haltlose Drogenexzesse und verliebt sich in Chloe – die Geschichte, das Unausweichliche nimmt seinen Lauf, in dem sich Komik und Tragik die Waage halten. Der gnadenlose Auftragskiller bekommt in diesem Film menschlichere Züge, wird als Grübler fast schon bemitleidet vom geneigten Zuschauer.

3. Ein Prophet

Sozusagen wie Der Pate, nur mit mehr Niveau. Deshalb auch in Cannes als bester Film ausgezeichnet. Eine großartig erzählte Geschichte, ein Soziogramm über die Abnabelung eines jungen Gefangenen von seinem Ziehvater. Auf einer Art Bildungsreise wird der Protagonist mit bestialischer Gewalt und gewieftem Geschäftssinn zu einer Unterweltsgröße. Vom Tellerwäscher zum Millionär, bloß ohne den kitischigen Hollywood-Pathos, dafür mit roher, rauer Gewalt – Ein Prophet ist weit mehr als ein klassischer Genrefilm und absolut sehenswert.

 

4. Der Gott des Gemetzels

Für die Verfilmung ihres Theaterstücks „Der Gott des Gemetzels“ hat sich die französische Dramatikerin Yasmina Reza das Who-is-Who der Filmbranche zusammengesucht. Gleich drei Oscar-Preisträger – Jodie Foster, Kate Winslet und Christoph Waltz – dazu Roman Polanski als Regisseur wirken an der Verfilmung dieses Kammerspiels mit. Und bringen dabei Großartiges zustande. Die Handlung kurz wie knapp: Der Sohn von Familie Cowan (gespielt von Winslet und Waltz) hat den Sohn von Familie Longstreet (gespielt von Foster und Reilly) mit einem Stock geschlagen. Nun treffen sich die Eltern, um über die Konsequenzen zu beraten. Was sich nun in der Enge der Vorstadtwohnung, in der sich die beiden Ehepaare treffen, abspielt, ist ein Feuerwerk voller fesselnder Dialoge, bitterböser Pointen und großer Gesellschaftssatire.

5. La Grande Belleza

La Grande Belleza ist mehr als ein Sittenportrait der italienischen High Society. An seinem 65. Geburtstag, ein wie stets rauschendes, obszönes Fest, dämmert dem Lebemann Jep Gambardella, dass sein Leben an einem Wendepunkt angelangt ist. Seit 40 Jahren inmitten von schönen Frauen, bunten Partys und dem internationalen Jet Set feiert sich der immer brillant gekleidete Journalist quer durch Rom, bis ihn schließlich ein Gefühl von Leere aus der Opulenz reißt, die ihn umgibt. Kurz gesagt: Traumhafte Bilder, eine durchaus anmutige Geschichte, ein cineastisches Vergnügen.

6. Everything will be fine

Wie kann man mit Schuld umgehen? Kann man sie begleichen? Muss man mit ihr weiterleben? Und wie gehen wir mit der Schicksalsgemeinschaft aus Schuldigen und Betroffenen um? James Franco spielt einen jungen Schriftsteller, der an einem Wintertag einen kleinen Jungen überfährt. Ein tragischer Unfall, ganz sicher keine Absicht, auch keine Fahrlässigkeit. Wim Wenders erzählt nun mit eindrucksvollen Bildern, wie dieser eine Moment das Leben von Schuldigen und Betroffenen über Jahrzehnte beeinflusst, sie immer wieder zusammen- und auseinanderführt. Eine kluge Geschichte von Schuld und Vergebung.

7. Blow

In einer seiner spektakulärsten Rollen schlüpft der junge Johnny Depp in die Rolle von George Jung, seines Zeichens der größte Kokaindealer der USA in den 70er und 80er Jahren. Es ist die klassische Aufsteigergeschichte, in der ein kleiner Junge aus der amerikanischen Mittelschicht zu einer der zentralen Personen des internationalen Drogenhandels aufsteigt, erzählt mit viel Verve, einer gehörigen Portion Lifestyle und zunächst wenig moralischen Einschüben, die uns diese Grundsympathie für Johnny Depp nehmen würden. Ein Happy End hält der Film gleichwohl nicht bereit – dafür sind die Machenschaften, in die sich Depp alias Jung verstrickt hat, zu tief.

8. Zeit der Kannibalen

Nein, eines vorweg: Es geht nicht um wirklichen Kannibalismus. Kein Mensch wird gegessen, versprochen. Es ist vielmehr ein stilbildendes Portrait der Gilde der Unternehmensberater, der Vielflieger, der Bonuspunktesammler, der Powerpoint-Profis und der Phrasendrescher. Die Zeit schreibt von einem „Kammerspiel der Kapitalisten“, das die Neurosen der Optimierungsgesellschaft an ihrer vordersten Front genüsslich seziert. Der Film spielt ausschließlich im Hotel, in dem die Berater ihr Projekt durchführen, der Blick aus dem Fenster zeigt nur eine schemenhafte, gleichförmige, graue Landschaft und wirkt symbolhaft für die Entfremdung dieser vermeintlichen Management-Elite.

9. Finsterworld

Es gibt keine bessere Querschnittsaufnahme der deutschen Befindlichkeit, keine schonungslosere Auseinandersetzung mit unseren Zwängen und Absurditäten. Um die Abgründe unserer Gesellschaft zu verstehen, müssen wir nicht nur auf das große Ganze schauen, sondern die Brüche in der Inszenierung suchen, das Abnorme im Kleid der Normalität. Finsterworld – das Erstlingswerk von Frauke Finsterwalder nach dem Drehbuch von Christian Kracht – ist ein wichtiger Film. Einer, der dabei hilft, sich der Identität dieses Landes anzunähern.

 

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Bild: Abgeda über CC BY-ND 2.0

 

 

Post vom Müssiggang Magazin

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Nils Langhans

Nils Langhans

Nils leidet darunter, einen Vornamen mit nur einer Silbe zu haben, der gerade in lauter Umgebung nicht immer direkt von anderen Menschen verstanden wird. Ansonsten ist er zu begeistern von virtuoser Sprache, experimentellen Gedankenspielen und ausgeprägter Beobachtungsgabe. Heimlich träumt er vermutlich dennoch von einem Reihenhaus in der Stuttgarter Vorstadt mit Blick auf den Killesberg und einem geregelten Arbeitstag in so einem heimelig-familiären mittelständischen Unternehmen auf der Schwäbischen Alb, das Schrauben oder Radmuttern oder etwas anderes total Sinnvolles herstellt, aber ihm fehlt die Verwegenheit, sich diesem seinem Innersten zu stellen. Darum versauert er hier beim Müßiggang Magazin.
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