6 Gründe, warum du „Imperium“ unbedingt lesen musst

Selten wurde so intensiv über Gegenwartsliteratur diskutiert wie über den Abenteuerroman Imperium von Christian Kracht. Sogar braunes Gedankengut wurde dem Autor zwischenzeitlich vorgeworfen. Inzwischen ist der Roman über die Aussteigergeschichte August Engelhardts auch in den USA erschienen und wird dort von den Kritikern gefeiert. Wir haben sechs Gründe für die Lektüre von Krachts Meisterstück zusammengestellt.

1. Dieses fiese Wetter

Eines ist sicher – draußen wird es bald wieder kalt, es nieselt und fieselt dann ein bisschen, die Hosen werden klamm, diese Husterei wird dann kaum zu ertragen sein. Wem trotz der drohenden, widrigen Wetterlage die spontane Kühnheit zum Auswandern fehlt, der lässt sich von dem wohl sprachgewaltigsten Erzähler der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur mit auf die Aussteigergeschichte des August Engelhardt zu Zeiten der Jahrhundertwende nehmen.

2. Endlich mal wieder ein guter Abenteuerroman

Habt ihr früher Robinson Crusoe heimlich abends im Bett gelesen? Heute lest ihr Piketty, weil das irgendwie alle machen, Hegel, weil ihr damit prahlen wollt, oder die Jobs Biographie, weil man da natürlich total viel für sein Remote-Nutella-Brot-Schmier-Start-Up von lernen kann? Lest doch lieber mal wieder was richtig schönes und erinnert euch daran, wie ihr damals in Tom Sawyers Geschichten versunken seid – Christian Kracht’s Imperium ist DIE Neudefinition des Abenteuerromans.

3. Schon mal was von Kokovorismus gehört?

Ihr wolltet schon immer wissen, was genau das mit dem Kokovorismus auf sich hat – Engelhardts Volten geben euch die Antwort.

4. Vegetarier können sich gegenseitig erfühlen – zumindest bei Kracht

Kracht ist einfach ein großer Ästhet und literarisches Pflichtprogramm. Wie kann man bei Sätzen wie „Möglich ist es, daß beide Vegetarier sich erfühlten, ohne daß sie voneinander wußten, so als sie die dünne Spannplatte zwischen ihren Köpfen eine Art elektrischer Konduktor.“ noch irgendetwas anderes lesen wollen?

5. Oh Imperium statt Oh Boy

Bald kommt ihr an Imperium noch weniger vorbei: Jan Ole Gerster führt Regie bei der Verfilmung, Tom Schilling schlüpft in die Rolle des Kokovoren und Nudisten August Engelhardt. Die beiden haben zuletzt Oh Boy zusammen gemacht. Lest also vorher unbedingt das Buch und schmeißt mit Fachwissen um Euch, wenn die ersten ihre Bildung aus der Kinoadaption ziehen.

6. Eine groteske Utopie in der Südsee

Anders als in Georg Diez’ grässlich-ahnungslosem Verriss einer Kritik skizziert zeichnet Kracht die Idee einer grotesken Utopie in der Abgeschiedenheit der Südsee als Antwort auf die aufziehenden Schrecken des 20. Jahrhunderts. Besonders ans Herz legen kann man Krachts Auftritt bei Denis Scheck in Druckfrisch, wo er Stellung zu der kruden Empörungswelle nimmt

Bild: brianscantlebury.com über CC BY-ND 2.0

Hier bespricht Denis Scheck Imperium in seiner Sendung Druckfrisch:

 

Track zum Text:

Post vom Müssiggang Magazin

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Nils Langhans

Nils Langhans

Nils leidet darunter, einen Vornamen mit nur einer Silbe zu haben, der gerade in lauter Umgebung nicht immer direkt von anderen Menschen verstanden wird. Ansonsten ist er zu begeistern von virtuoser Sprache, experimentellen Gedankenspielen und ausgeprägter Beobachtungsgabe. Heimlich träumt er vermutlich dennoch von einem Reihenhaus in der Stuttgarter Vorstadt mit Blick auf den Killesberg und einem geregelten Arbeitstag in so einem heimelig-familiären mittelständischen Unternehmen auf der Schwäbischen Alb, das Schrauben oder Radmuttern oder etwas anderes total Sinnvolles herstellt, aber ihm fehlt die Verwegenheit, sich diesem seinem Innersten zu stellen. Darum versauert er hier beim Müßiggang Magazin.
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