Der Spotify-Viral-Hit der Woche: „I love Poland“ von DJ Hazel – Spoiler: Furchtbar

Aus den Tiefen des Spotify-Universums haben wir uns den Viral-Track der Woche gesucht und ihn für euch untersucht. Diese Woche geht es um „I love Poland“ von Hazel. Wirklich der heißeste Shit der Woche? Worum geht’s da eigentlich? Und warum könnten das auch pseudo-subversive Hipster-Studenten cool finden?

Also, wenn ihr den Song genauso wenig kennt wie ich: nicht schlimm. Ich habe mich auch gewundert, woher dieser Song auf einmal aufgetaucht ist und wie er es tatsächlich auf Platz zwei der Spotify Viral Charts geschafft hat. Ausgewählt für diese Rezension wurde er auch bloß, weil der Titel recht ungewöhnlich ist und die Motivation, die Liste rauf und runter zu hören, gen null lief. Die Wahrscheinlichkeit war einfach zu hoch, ausschließlich Robin-Schulzeske-Techno-Gesang-Remixe zu finden. Und wie das Schicksal so spielt, kann man I Love Poland genau in diesem Genre der absolut sinnlosen, nervigen, ja fast schon verdummenden Kulturprodukte verorten. Einziger Unterschied: Diesmal „singt“ ein Mann und der Text ist nicht nur sinnlos, sondern auch offen sexistisch und rassistisch. Es sei denn, ich verstehe die Ironie nicht. Dazu später mehr.

Worum geht´s

Ja, worum gehts eigentlich? Ganz ehrlich, eigentlich um nichts und, ganz ehrlich, ich habe auch nur bis zum Refrain gehört. Da geht es offensichtlich um die Liebe zu Polen. Dagegen ist zunächst nichts einzuwenden, wenn man bedenkt, dass Krakau dabei ist Berlin den Rang abzulaufen als Place to Be der Place to Bes.

Da das Weiterhören leider so unangenehm war, musste ich, um meiner ausgeprägten journalistischen Sorgfaltspflicht Rechnung zu tragen, die Lyrics im Internet suchen. Und ja, da beginnt es, das Elend. Es geht eben offensichtlich nicht um die Liebe zu Polen, sondern um die Liebe zu den vermeintlich leichten, polnischen Frauen. Diese Frauen sind für den Sänger so außergewöhnlich, dass man sich dafür sogar sein Auto klauen lässt. Im Ernst: Die Dramaturgie des Liedes erzählt die Geschichte eines Reisenden, der Berlin, Moskau und London besucht, bis ihm schließlich in Polen sein Auto geklaut wird. Kein Witz. Die Ineffizienz der Routenplanung sei mal dahingestellt. Nicht dahingestellt hingegen sei die Auflösung des Dilemmas des Reisenden:

Das geliebte Auto ist geklaut und die Polen sind schuld. Doch das stört keinen großen Geist, denn „I have no car but I don´t mind. Chicks in Poland are so hot, I love Poland kurwa mac“. Klasse! Abschalten, sofort!

Was löst’s aus?

Brechreiz, Fremdscham und den Verlust des Glaubens an die Menschheit. Ja, dieses Lied ist die musikalische Metapher für nach Lloret de Mar reisende, besoffene Jugendliche, die sich zu diesem Song in der Großraumdisko die Köpfe aneinander schlagen.

Wie ist’s gemacht?

Schlecht, wirklich schlecht!

Wem gefällt’s?

  • Mir nicht.
  • Wie gesagt: nach Lloret de Mar reisenden, besoffenen Jugendlichen. Aber ihnen sei es verziehen – wir waren alle mal jung.
  • Pseudo-Hipster-Studenten, die schon dachten, es sei subversive Gesellschaftskritik und immens individuell, nachts um drei auf der WG-Party „Atemlos duch die Nacht“ anzumachen und sich dabei in den Armen zu liegen. Vielleicht verstehe ich auch einfach nicht die Ironie. Habe mal gelesen, dafür braucht man einen IQ, der über 90 Punkten liegt. Dann sei es auch euch verziehen, liebe Hipster.

Wem eher nicht so?

  • Mir.
  • Hoffentlich jedem halbwegs vernünftigen Menschen.
  • Polnischen Frauen.

Und sonst so?

Ja, warum eigentlich aufregen? Eigentlich kümmert mich das alles nicht, denn: „Chicks in Poland are so hot, I love Poland kurwa mac“.

Bild: Dan Markeye über CC BY 2.o

Hier das Elend zum nachhören:

 

Post vom Müssiggang Magazin

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Gerrit Seebald

Gerrit ist erst 26 und hat schon als Praktikant bei der deutschen Botschaft in Vanuatu gearbeitet. Seitdem er 20 ist, veröffentlicht er regelmäßig als freier Mitarbeiter Artikel bei verschiedenen Onlinemedien. Außerdem ist er hochschulpolitisch aktiv, weil er meint, genau dort sei der Ort, den Nahostkonflikt zu lösen. Wenn er groß ist, möchte er einmal Verteidigungsminister werden oder Politikern naive Fragen stellen.

…..NOT! Naja, vielleicht das mit dem Verteidigungsminister schon.
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