Die 5 besten europäischen Serien

Wenn man wohl irgendetwas als First World Problem bezeichnen kann, ist es die Angst, dass einem die Serien ausgehen könnten. Diese Angst vor der Leere, die man fühlt, wenn man vor dem Einschlafen plötzlich nicht mehr weiß, wo man sich die nächste, nötige Dosis Realitätsverlust besorgen kann. Was dann also? Grundsätzlich gibt es da wohl drei Möglichkeiten. Erstens könnte man sich einer alten Serie annehmen und sie noch mal schauen, eine Art Serien-Methadon. Was in der Theorie durchaus plausibel erscheint, erweist sich in der Realität oft als ernüchternd. Anstatt sich nochmal intensiv mit den verwobenen Handlungssträngen von The Wire auseinanderzusetzen, landet man dann doch bei einer mittelmäßigen Sitcom, deren Folgen man eigentlich schon auswendig kennt, weil ProSieben sie in dauerschleife spielt. Das Ganze hat durchaus eine sedierende Wirkung, auf Dauer fühlt man sich allerdings etwas schmutzig. Option zwei: man probiert einfach mal zufällig eine dieser Serien aus, die einem Netflix ständig aufdrängen will. Frei nach dem Motto: Wenn die so viel Werbung dafür machen, kann das ja nicht schlecht sein. Fataler Fehler. Nach drei Folgen White Collar, immer in der Hoffnung es würde noch besser werden, fühlt man sich wieder etwas schmutzig. Faustregel: Sieht die Serie so aus, also könne sie im Abendprogramm von ProSieben laufen oder ist sie da tatsächlich schon einmal gelaufen: Finger weg. Die dritte und vielversprechendste Möglichkeit ist einmal den Blick wieder zurück über den großen Teich zu werfen und sich anzuschauen, was die Europäer so drauf haben in Sachen serieller Unterhaltung. Man muss natürlich etwas länger suchen und sich durch viel, sehr viel Schwachsinn kämpfen, doch am Ende kann man tatsächlich belohnt werden. Also bitte:

Die fünf besten europäischen Serien:

1.) England: Skins

England steht im europäischen Vergleich schon fast außer Konkurrenz. Viele Serien sind in Qualität und Finanzierung kaum zu unterscheiden von amerikanischen. Peaky Blinders zum Beispiel ist höchster Seriengenuss. Wenn man mehr britische Originalität möchte, könnte ich Sherlock empfehlen, aber das hat ja nun wirklich schon jeder gesehen und dieser Artikel hätte für den Leser relativ wenig Mehrwert. Also schauen wir etwas weiter zurück in der englischen Seriengeschichte und widmen uns der wirklich guten, typischen britischen Serie: Skins. Kurzum geht es um Teenager in Bristol, die versuchen ihre Leben zwischen Drogen, Sex und Familienproblemen auf die Reihe zu bekommen. Das Faszinierende an dieser Serie ist die Ambivalenz zwischen dem so typischen britischen Humor und der absoluten Tristesse englischer Industriestädte, durch die sich die Protagonisten kämpfen müssen.

2.) Dänemark: Borgen

Kennt ihr das auch? Da schaut man Homeland und plötzlich will man seinen nervigen Bürojob an den Nagel hängen und doch noch mal eine Weiterbildung als Geheimagent machen. Bei The Walking Dead wünscht man sich schon fast die Zombieapokalypse herbei und Meth kochen wollten wir sicher auch alle schon mal. Als ich Borgen das erste Mal sah, war ich zwei Wochen fest davon überzeugt, Spindoctor werden zu wollen. Das sind die, die Politikern sagen, wie sie sich in der Öffentlichkeit zu verhalten haben. Und genau darum geht es in dieser kleinen, aber feinen dänischen Serie: Um den dreckigen, korrupten, erbahmungslosen Politikbetrieb. Genauer um Birgitte Nyborg, eine Politikerin der fiktiven Moderaten Partei, die unerwartet zur ersten Premierministerin Dänemarks gewählt wird. Man könnte sagen: House of Cards auf dänisch und irgendwie realistischer.

3.) Deutschland: Im Angesicht des Verbrechens

Ja ich gebe zu: Man muss ich am Anfang etwas dran gewöhnen. Obwohl die Serie von 2010 ist, erinnern Kameraführung, Szenenbild und auch der Sound manchmal stark an die 90er. Dramatische Zooms mitten in einer Szene, das muss man sich erstmal trauen. Doch hat man sich mal dran gewöhnt, bietet einem Im Angesicht des Verbrechens beste Serienunterhaltung. Meiner Meinung nach bisher eine der besten horizontal erzählten deutschen Serien, mit allem, was dazu gehört: Polizei, Mafia, Drogen, Prostitution und Cliffhangern. Und das Beste: Alles direkt in Berlin und mit Max Riemelt.

4.) Frankreich: Les Revenants / The Returnded

Vielleicht liegt es auch an mir, genauer gesagt an meine Frankophilie, dass mir diese Serie so gut gefällt. Die Handlung an sich ist gar nicht mal so innovativ: In einem kleinen französischen Ort in den Bergen tauchen plötzlich Tote wieder auf. Also keine Zombies oder so, sondern Menschen, wie sie einmal waren: Nicht gealtert und nicht wissend, dass sie tot waren. Dass das ganze auf Dauer nicht ganz unproblematisch ist, versteht sich von selbst. Die Serie lebt ohne Frage von ihrer Ästhetik. Vom Vorspann bis in die kleinste Nebenrolle umgibt diese Serie eine schaurig-schöne Stimmung. Das Ganze gepaart mit dem französischen Charme der überragenden Schauspieler und die Sache ist rund. So platt es klingen mag: Einfach zum Gruseln schön und schön gruselig. Vorsicht: Bei Netflix gibt es auch den gleichnamigen amerikanischen Remake. Meine Empfehlung: Das Original auf französisch mit Untertiteln, auch wenn man kein französisch spricht – es lohnt sich.

5.) Schweden: Die Brücke

Über kurz oder lang kommt man wohl nicht an diesen skandinavischen Krimi-Thrillern vorbei. So eine Fließbandproduktion erlebt man wohl sonst nur bei südamerikanischen Telenovelas. Es scheint als lebten in diesen kleinen, netten Ländern da oben mehr Massenmörder, Psychopaten und Vergewaltiger als normale Menschen. Während viele dieser Serien eher lieblos für das Spätprogramm von ARD und ZDF produziert werden, ist mit Die Brücke ein international erfolgreiches Meisterwerk gelungen. Alles fängt an mit einer Frauenleiche, deren eine Hälfte in Dänemark und die andere in Schweden liegt. Also genau auf der Grenze und das ist – wer hätte das gedacht – auf dieser riesigen Brücke, die beide Länder verbindet. Dieser Umstand beschert uns den glücklichen Zufall ein schwedisch-dänisches Ermittlerteam bestaunen zu dürfen: Die autistische Schwedin Saga Norén und den verlotterten Dänen Martin Rohde. Beide kämpfen sich im Verlauf der Serie durch ein komplexes Geflecht aus Intrigen, Terrorismus und Grausamkeit, was das Abschalten wirklich schwer macht. Fun Fact: Auch hier gibt es ein amerikanisches Remake mit Diane Kruger. Die Leiche liegt hier allerdings auf der Grenze von USA und Mexico. Mit Zaun wäre das wohl nicht gegangen.

 

Bild: YouTube Screenshot

 

 

 

 

 

 

 

 

Post vom Müssiggang Magazin

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Gerrit Seebald

Gerrit ist erst 26 und hat schon als Praktikant bei der deutschen Botschaft in Vanuatu gearbeitet. Seitdem er 20 ist, veröffentlicht er regelmäßig als freier Mitarbeiter Artikel bei verschiedenen Onlinemedien. Außerdem ist er hochschulpolitisch aktiv, weil er meint, genau dort sei der Ort, den Nahostkonflikt zu lösen. Wenn er groß ist, möchte er einmal Verteidigungsminister werden oder Politikern naive Fragen stellen.

…..NOT! Naja, vielleicht das mit dem Verteidigungsminister schon.
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