Kann diese Online-Petition den groben Unfug stoppen?

In einer Zeit, in der Beatrice Egli eine Sendung in der ARD moderieren darf und Andreas Gabalier Gast in einer Sendung in der ARD sein darf, die von Beatrice Egli moderiert wird, brauchen wir wieder Zucht und Ordnung in dieser Gesellschaft. Aus diesem Grund und weil der Name „grober Unfug“ einfach viel treffender ist, fordert das Müßiggang Magazin in einer breitangelegten Online-Petition die Rückbenennung des „Paragraphen zur Belästigung der Allgemeinheit“ in „Groben Unfug“. Zum Hintergrund:

„Belästigung der Allgemeinheit (§ 118 OWiG) ist nach deutschem Recht eine Handlung, die geeignet ist, den äußeren Bestand der öffentlichen Ordnung unmittelbar zu stören oder zu beeinträchtigen, so dass die Öffentlichkeit belästigt wird.“ (Wikipedia)

Bis zu einer Strafrechtsreform 1975 hieß dieses Gesetz noch „Grober Unfug“ und wurde mit einer Geldstrafe von bis zu 150 DM oder gar einer Haftstrafe geahndet. Sanktioniert werden damals und heute Verhaltensweisen, die die öffentliche Ordnung stören könnten. Verhalten, das die Allgemeinheit gefährdet, belästigt oder nervt, wird bestraft. Prominente Beispiele sind an dieser Stelle: Spazieren in Badehose im Hof eines Kurhauses (True Story), das Bespritzen der Passanten durch zu schnelles Fahren mit dem Auto durch eine Pfütze oder gar Störung eines offiziellen Gelöbnisses der Bundeswehr. Des Weiteren verboten ist Defäkieren auf der Straße und das Veröffentlichen unwahrer Presseveröffentlichungen, die die Öffentlichkeit beunruhigen könnten. Vor allem von Letzterem möchte sich das Müssiggang Magazin in aller Deutlichkeit distanzieren. Sowas würden wir nie tun.

Da in dieser verwahrlosten Überflussgesellschaft der anhaltende Werteverfall dafür sorgt, dass die Menschen bald unkontrolliert ihre Köpfe gegen Wände schlagen, brauchen wir einen Wandel. Wir brauchen einen neuen Wertekanon, der uns wieder leitet, und alles, was dagegen verstößt, ist eben grober Unfug und auch als solcher zu ahnden. Folgende, nervtötende Dinge, die offensichtlich die öffentliche Ordnung stören, müssen als „Grober Unfug“ bestraft werden, um den Untergang unserer Gesellschaft aufzuhalten. Wenn nicht anders verordnet soll eine Geldbuße von 150 DM (oder wahlweise 75 Euro) verhängt werden, alternativ kommen noch das Abschlagen der Hand oder die öffentliche Steinigung als angemessene Sanktionen in Betracht. Den Link zur Online-Petition gibt es weiter unten.

1. Freeletics in der Öffentlichkeit

Manchmal schaffe ich es nach drei Monaten Faulheit tatsächlich an zwei aufeinanderfolgenden Tagen vor dem Duschen zehn Liegestützen zu machen. Das durch die Muskelkontraktionen ausgepumpte Testosteron lässt mich dann, in voller Vorfreude auf meinen bald gestählten Körper, mit breiter Brust in die Öffentlichkeit treten. Alles, bis ich dann in kleinen Fußballkäfigen oder entspannten Parks diese Wahnsinnigen sehe – diese Wahnsinnigen, die mir ein schlechtes Gewissen machen, wenn ich mich, zum Fußball spielen in einem dieser Käfige in ein etwas zu enges Fußballtrikot zwänge oder zum einfach nur da liegen in den Park lege.

Das müssen sie sein, diese Menschen, die das machen, was mir Facebook immer vorschlägt, wenn ich über einen Browser browse, der keinen Adblocker hat. Da steht dann immer sowas wie Don´t Dream it, be it und ich frage mich, wie Facebook auf die Idee kommt, dass ich eine passende Zielgruppen bin, und freue mich diabolisch, dass da jemand Geld verschwendet hat, damit ich diesen Quatsch sehe. Dann träume ich davon, ein James Bond Bösewicht zu sein, während Christoph Waltz es einfach ist.

Die Zweckentfremdung des öffentlichen Raums und des kollektiven deutschen, schlechten Gewissens muss betraft werden. Drei Wochen lang Supersize-Me bei der Fastfoodkette deines Vertrauens. Achtung: Drei unangekündigte Körperfett-Messungen, sonst droht eine Verlängerung der Strafe auf drei Monate.

2. Langsam auf dem Gehweg laufen

Ernsthaft, da will man noch den Bus erwischen und dann das: Genau in der Mitte des Gehwegs schlendert ein verträumter, Sandalen tragender Herr. Der Platz zum Überholen recht und links hat eine Größe, die eine unangenehme Nähe bedeuten würde. Fasst man trotzdem den Mut, ein gewagtes Überholmanöver anzusetzen, schert der Vordermann aus unerfindlichen Gründen ganz leicht aus und macht das Überholen unmöglich. Nachdem sich dieses Szenario drei bis vier mal wiederholt und man es endlich geschafft hat, vorbeizukommen, ist der Bus längst weg. Wir fordern die Einführung der Berliner Rolltreppenregelung: Langsam laufen auf der rechten Seite des Gehwegs, links wird Überholt. Gehweg-Anarchisten, die sich daran nicht halten, werden betraft: Drei Wochen Freeletics im Park um die Ecke, ihr faulen Schweine!

3. Mayonnaise auf Brötchen beim Bäcker

Was den Franzosen ihr Pain au Chocolat, ist den Deutschen ihr Käsebrötchen. Grundsätzlich gibt es gegen den Vorzug eines eher salzigen Frühstücks nichts einzuwenden. Problematisch wird das allerdings, wenn sich große wie kleine Bäckereien kollektiv entscheiden, dass auf ein normales Käsebötchen ca. 500 Gramm Mayonnaise oder, jetzt wird es richtig verrückt, Remoulade gehören. Und damit nicht genug werden diese mit kiloweise Mayonnaise aus der Metro beschmierten Brötchen nur halb aufgeschnitten. Ein falsch kalkulierter, herzhafter Biss und die Scheibe Käse, der schon etwas bräunliche Salat und die matschige Tomate flutschen, beschleunigt von der Mayonnaise, direkt auf das frische Hemd. Shame on You, German Bäckereien. Für jedes, mit Mayonnaise beschmierte Brötchen fordern wir einen Besuch des Gesundheitsamtes. Für Remoulade sollte das Gesundheitsamt gleich zweimal kommen.

4. Am Sonntagnachmittag bei Facebook posten, dass man im Berghain ist

Just please don’t do it! Ganz ehrlich, niemand will das wissen. Es gibt einfach keinen vernünftigen Grund das zu tun. Wirklich nicht. Einzige Ausnahme: Es ist ein abgesetzter Notruf, weil man nach fünf Gramm MDMA zuckend auf der Tanzfläche liegt. Seit 2012 zwei Sternredakteure undercover aus dem Berghain berichteten, ist der Spaß doch sowieso vorbei.

Ja, wir wissen, dass ihr cooler seid, als 90 Prozent aller anderen, armen Menschen, die Sonntage damit verbringen, eine ganze Staffel True Detective zu schauen. Ja, wir wissen, dass ihr ein total aufregendes Leben habt. Jetzt ist es einmal gesagt – jetzt müsst ihr das nicht jede Woche aufs neue in die Welt tragen. Bei Zuwiderhandlung wird jeder Facebook-Post direkt an Sven Marquardt weitergeleitet. Mal sehen, was der davon hält.

Okay, Fuck, ich nehme alles zurück, ich will ja am Sonntag wieder ins Berghain kommen. Ihr werdet dann bei Facebook sehen, ob es geklappt hat.

5. Das Unterschreiben von Online-Petitionen

Sorry, der musste sein! Mal ehrlich, wenn so ein kleines, unbedeutendes Onlinemagazin den gröbsten Unfug fordern kann, will man nicht wissen, welche Empörungsejakulationen sonst noch ihren Weg in die öffentliche Meinung finden.

Link zur Online-Petition:

https://www.openpetition.de/petition/online/rueckbenennung-des-paragraphen-zur-belaestigung-der-allgemeinheit-in-groben-unfug

Bild: gaelx über CC BY-SA 2.0

 

Track zum Text:

 

 

 

 

Post vom Müssiggang Magazin

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Gerrit Seebald

Gerrit ist erst 26 und hat schon als Praktikant bei der deutschen Botschaft in Vanuatu gearbeitet. Seitdem er 20 ist, veröffentlicht er regelmäßig als freier Mitarbeiter Artikel bei verschiedenen Onlinemedien. Außerdem ist er hochschulpolitisch aktiv, weil er meint, genau dort sei der Ort, den Nahostkonflikt zu lösen. Wenn er groß ist, möchte er einmal Verteidigungsminister werden oder Politikern naive Fragen stellen.

…..NOT! Naja, vielleicht das mit dem Verteidigungsminister schon.
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