Buchtipp der Woche – „Das Nirvana Baby“ von Juri Sternburg

Wir empfehlen euch jede Woche ein wirklich gutes Buch. Heute stellen wir euch „Das Nirvana Baby“ von Juri Sternburg vor, erschienen im Korbinian Verlag.

Worum geht’s in „Das Nirvana Baby“?

Zerstörter Mittzwanziger plant Amok zu laufen, scheitert aber schon daran, ein Bekennerschreiben zu verfassen, weil irgendwie alles so schrecklich trist ist und man einfach verlernt hat, wie man protestiert, und marodiert dann durch Berlin und suhlt sich in der Apathie der Großstadt. Schlägereien bei Eisern Union, eine Freundin mit hipsteresker Hingabe zu allen Formen von Veranstaltungen, die auf –issage enden, Suff und die kleinen und großen Fragen nach dem Wieso, Weshalb, Warum. Andere Autoren brauchen für den Stoff 200 Seiten, Juri Sternburg jagt das Nirvana Baby mit Vollgas in schlanken 75 Seiten durch Berlin – angenehm kurzweilig.

Wem gefällt’s?

Menschen, die Tino Hanekamps „Sowas von da“ mögen; Sprachakrobaten; Menschen mit einer Vorliebe für die Farbe Mintgrün (Cover)

Bester Satz im Buch:

„Wenn ich den Fernseher einschalte und nicht gerade einen Bericht über die neueste Brust OP eines C-Promiluders erwische oder bei einer atemberaubenden Story einer Freundschaft zwischen einem Eichhörnchen, einem Mastschwein und einem Wiesel hängen bleibe – dann kann ich sicher sein, auf einem der Sender eine heroische Geschichte von alten und bewundernswerten Helden aus allzu naher Vorzeit zu entdecken.“

Satz, den du zu dem Buch sagen musst, um verdammt klug zu wirken:

„Ein ziemlich starker Start für den Korbinian Verlag, den sie da mit Juri Sternburg hingelegt haben – unbequem, scharfzüngig.“

Und sonst so?

Man wird nicht unbedingt glücklicher, wenn man Juri Sternburgs Debüt im Korbinian Verlag liest, vielleicht auch nicht schlauer, aber – und das ist nicht unerheblich – man verbleibt gut unterhalten zurück, behält viele der schneidenden Beobachtungen, oft in schöner Kurzsatzakrobatik vorgetragen, im Kopf, fühlt sich erinnert an verkaterte Streifzüge durch die Leere der postmateriellen Großstadt. Eine wirklich gute Novelle, die nicht gefallen will, und deshalb dann irgendwie doch gefällt.

 

Bild: Nils Langhans

Post vom Müssiggang Magazin

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Nils Langhans

Nils Langhans

Nils leidet darunter, einen Vornamen mit nur einer Silbe zu haben, der gerade in lauter Umgebung nicht immer direkt von anderen Menschen verstanden wird. Ansonsten ist er zu begeistern von virtuoser Sprache, experimentellen Gedankenspielen und ausgeprägter Beobachtungsgabe. Heimlich träumt er vermutlich dennoch von einem Reihenhaus in der Stuttgarter Vorstadt mit Blick auf den Killesberg und einem geregelten Arbeitstag in so einem heimelig-familiären mittelständischen Unternehmen auf der Schwäbischen Alb, das Schrauben oder Radmuttern oder etwas anderes total Sinnvolles herstellt, aber ihm fehlt die Verwegenheit, sich diesem seinem Innersten zu stellen. Darum versauert er hier beim Müßiggang Magazin.
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