Rotbarbarei: Am helllichten Tag mitten in Berlin

„Könnten Sie uns eine Zubereitungsempfehlung für die Rotbarbe geben?“. Zwei junge Herren, Mitte 20, stehen an der Fischtheke der Gourmetabteilung und richten erwartungsvolle Blicke an die Lebensmittelfachverkäuferin. Sie sieht die beiden Sakkoträger an, zögert kurz und antwortet: „Na, inne Pfanne halt.“ „Mhhh…“ – Mehr fällt nun auch den beiden nicht ein. Sie schauen sich kurz an, richten dann die Blicke wieder auf die Verkäuferin. „Naja…also…Sie können auch noch Kräuterbutter hinmachen.“ „Ok, danke. Dann zwei Filets, bitte.“ Einer deutet auf den leicht rötlichen Fisch, der neben den aufgetauten Riesengarnelen aus Vietnam friert. Während die Dame den Fisch herausnimmt, kratzt sie noch das restliche Eis von den leuchtenden Schuppen – wohl doch mehr TK als Gourmet. Sie zögert kurz, deutet mit dem Fischmesser auf den Feinkoststand gegenüber und rät: „Die Italiener machen das auch immer mit Nudeln. Also Nudeln können Sie auch noch dazu machen.“ Die Waage zeigt 457 Gramm oder 13,66 EUR. Der Bärtige der beiden nimmt das geruchsneutral verschweißte Päckchen entgegen, legt es zu Mangold, Ingwer, Koriander und Datteln in das Einkaufskörbchen. „Danke und schönen Abend.“

Bild: Kai Schreiber über CC BY-SA 2.0 

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Dominik Kaufmann
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Dominik hat schon in Frankreich, Dubai, Japan und Baden-Württemberg gelebt. Weil er immer mittendrin statt nur dabei ist, schafft das Schreiben immer wieder Platz für wichtige statt dringende Gedanken. Deshalb liebt er das Müßiggang Magazin wie die Stuttgarter ihre Kehrwoche.
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