Was „Grexit“ wirklich bedeutet – Wir haben nachgeforscht

Alle Welt redet über den Grexit.  Aber wissen wir denn eigentlich, was genau damit gemeint ist? Wie kann er funktionieren? Welche Folgen wird er haben für die Menschen und vor allem die Kinder? Denkt zum Teufel auch endlich mal einer an die Kinder? Also an die Deutschen, nicht die Griechischen! Während wir denen alles in den Rachen werfen, werden auf Spielplätzen im Prenzlauer Berg Rasierklingen vergraben. (Für alle Empörten: Natürlich habe ich keine Kinder, sonst würde ich ich mich niemals darüber lustig machen.)

Das Müßiggang Magazin hat sich auf die Suche gemacht nach den Ursprüngen dieser kryptischen Wortkomposition und klärt Mythen und Fehlinterpretationen auf. Gern geschehen.

Portemonnaie, ehm falsch, Portemanteau muss es heißen. Verwirrend.

Zunächst zu den Fakten: Bei dem Begriff Grexit handelt es sich um ein sogenanntes Portemanteau-Wort. Ein Portemanteau-Wort, auch Schachtelwort oder seltener Kofferwort genannt, ist ein Kunstwort, das aus mindestens zwei morphologisch überlappenden Wörtern entstanden ist, die zu einem inhaltlich neuen Begriff verschmolzen sind. Berühmte Beispiele sind „Brangelina“ für Brad und Angelina oder „Teuro“ für teuer und Euro. Aber wie ist das jetzt bei Grexit? Der ein oder andere wird vermuten „Gr“ stehe für „Greece“, also für das englische Wort für Griechenland. Und „exit“ für exit, dem englischen Wort für Ausgang (kennt man aus dem Kino). Andere Interpretationen gehen davon aus das „Gre“ stehe für Greece, dem englischen Wort für Griechenland, und „xit“ für exit, dem englischen Wort für Ausgang. Wie dem auch sei – zusammen wäre „Grexit“ nach dieser Interpretation also das mögliche Ausscheiden Griechenlands aus der Eurozone. Das erscheint allerdings als äußerst unwahrscheinlich, da das kein vernünftiger Mensch in Betracht ziehen würde. Und müsste es dann nicht auch „Greexit“ heißen?

Bitte einmal den Akkusativ Singular zur Graecia

Doch was bedeutet dieser mystisch und zugleich mächtige Neologismus, wenn man von dieser absurden Idee absieht? Um dies zu beantworten, müssen wir zurückgehen zu den Kofferworten und in die Zeit der alten Römer. Denn die beiden Worte, aus denen ein neues gezeugt wurde, sind nicht Greece und Exit, sondern Graeciam und Rexit: Grexit. Graeciam ist der Akkusativ singular von Graecia, also dem Lateinischen Wort für Griechenland, und Rexit die dritten Person singular Perfekt aktiv von regere, dem lateinischen Wort für herrschen. Zusammen bedeutet Graeciam Rexit also soviel wie er/sie/es hat Griechenland beherrscht. Womit wir bei der nächsten Frage wären: Wie werden die Geschichtsbücher den Grexit interpretieren, also die Beherrschung während dieser Krise, und hat uns diese Herrschaft in den „Eexit“ („E“ für Europa und „exit“ für Exit ) geführt. War es er, also Wolfgang Schäuble, mit seiner protektionistischen Technokratie? Oder war es sie, also die Troika mit ihrer unbeholfenen Bürokratie? Oder war es vielleicht doch es, also das Volk: das Griechische, das Deutsche, das Französische, das Lettische, ach was rede ich, das Europäische. Ein Volk, das bereit war, solidarisch zu sein, notwendige Kompromisse in Kauf zu nehmen und an Menschen, nicht an Nationen zu glauben. In diesem Sinne: Verkauft doch eure Regierungen, ihr Pleiteeuropäer!

Bild: dorena-wm über CC BY-ND 2.0

Track zum Text: Obvious

Post vom Müssiggang Magazin

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Gerrit Seebald

Gerrit ist erst 26 und hat schon als Praktikant bei der deutschen Botschaft in Vanuatu gearbeitet. Seitdem er 20 ist, veröffentlicht er regelmäßig als freier Mitarbeiter Artikel bei verschiedenen Onlinemedien. Außerdem ist er hochschulpolitisch aktiv, weil er meint, genau dort sei der Ort, den Nahostkonflikt zu lösen. Wenn er groß ist, möchte er einmal Verteidigungsminister werden oder Politikern naive Fragen stellen.

…..NOT! Naja, vielleicht das mit dem Verteidigungsminister schon.
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