Grüner Tee, Fetisch oder U-Bahn fahren? Wieso Japaner länger leben.

Der Traum vom langen Leben ist so alt wie die Menschheit selbst. Vielleicht kann man ja mit dem ultimativen Lebensverlängerungsplan noch ein paar Jährchen rausschlagen, aber irgendwann ist auch hier Schluss mit länger leben. Vor ein paar Monaten ist Misao Okawa gestorben – die damals älteste Frau der Welt ist 117 Jahre alt geworden (Jahrgang 1898 !!). Sie kommt, genau wie der älteste lebende Mann, Sakari Momoi (112 Jahre), aus Japan. 100 plus hört sich doch schon deutlich besser an. Aber was steckt hinter der allgemein hohen Lebenserwartung im Land der aufgehenden Sonne?

Die Japanische Kultur macht den Stress in Tokyo erträglicher

Ich habe mich in Tokyo mal umgeschaut und versucht, der Sache auf den Grund zu gehen. In der vollen U-Bahn fällt zunächst auf, dass fast niemand dick ist – im Gegenteil: Fährt die Metro ein, flattern die Stoffhosen um die dünnen Beinchen der wartenden Pendler. Die gute Ernährung macht’s möglich: Grüner Tee, viel Gemüse, kleine Portionen und frischer Fisch. Naja – nach der Fukushima Katastrophe muss man vermutlich noch abwarten, wie sich der Fischkonsum mittelfristig auf die Lebenserwartung auswirkt. Die Japaner scheinen es gelassen zu nehmen, obwohl das Leben in Tokyo allgemein alles andere als stressfrei ist. Zum Glück macht die freundliche, rücksichtsvolle und zuvorkommende Natur der Japaner die Menschenmassen deutlich erträglicher.

Fetisch auf dem Amt

Japan ist auch das Land des Fetisch’ und einen Fetisch kann man in jeder Behörde erleben. Japanische Ämter sind der feuchte Traum jedes deutschen Beamten – für alles, für einfach alles gibt es ein Formular. Diese Bürokratie hebt die Lebenserwartung tatsächlich. Leider nur nicht so, wie erhofft. Dank Zettel – Fetisch und resultierender Papierüberflutung wird oft gar nicht bemerkt, wenn jemand stirbt. Die Familien machen auch keinen Mucks, weil so die Rente weiter fließt und so steigt die statistische Lebenserwartung in Japan munter weiter.
Dank @dkultur können für die kommende Woche zwei Dinge mitnehmen: 1) Bürokratie meiden – vielleicht führt sie noch dazu, dass wir nie sterben dürfen. 2) Es sich hier und da gut gehen lassen. Die Französin Jeanne Calment war mit 122 Jahren der älteste Mensch der Welt – und Alkohol und Zigaretten durchaus zugeneigt.

Bild: Graham Stanley über CC BY 2.0

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Dominik Kaufmann
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Dominik Kaufmann

Dominik hat schon in Frankreich, Dubai, Japan und Baden-Württemberg gelebt. Weil er immer mittendrin statt nur dabei ist, schafft das Schreiben immer wieder Platz für wichtige statt dringende Gedanken. Deshalb liebt er das Müßiggang Magazin wie die Stuttgarter ihre Kehrwoche.
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